Die moderne Milchviehhaltung befindet sich im Wandel.
Zwar spielt die Produktivität nach wie vor eine wichtige Rolle, doch messen die weltweit erfolgreichsten Molkereiunternehmen ihre Leistung zunehmend anhand der Rentabilität der Milchviehbetriebe und nicht mehr allein anhand der Produktion.
Dies war eine der Kernbotschaften, die Greg Bethard, CEO und geschäftsführender Gesellschafter von High Plains Ponderosa Dairy, während der ersten Ausgabe von „Feeding Forward“ vorbrachte – der jährlichen Veranstaltung von Dinamica Generale, die sich den Themen Präzisionsfütterung, Innovation und Milchviehhaltung widmet.
Bethard, der in Kansas mehr als 40.000 Milchkühe in mehreren Karussellmelkanlagen betreut, stellte einen praxisorientierten Ansatz vor, der sich eher auf Daten, Wirtschaftlichkeit und betriebliche Effizienz stützt als auf traditionelle Produktionskennzahlen.


Unabhängig von der Betriebsgröße oder der geografischen Lage stellt das Futter nach wie vor den größten Betriebsaufwand in der Milchproduktion dar.
Aus diesem Grund hat die Optimierung der Fütterungsentscheidungen oft größere wirtschaftliche Auswirkungen als eine bloße Steigerung der Milchleistung.
Greg Bethard stellte jedoch eine der gängigsten Annahmen im Milchviehmanagement in Frage.
Eine höhere Futterverwertung bedeutet nicht zwangsläufig eine höhere Rentabilität.
Die Futterverwertung wird üblicherweise in Kilogramm erzeugter Milch pro Kilogramm Trockenmasseaufnahme angegeben. Auf den ersten Blick scheinen Kühe, die aus weniger Futter mehr Milch produzieren, am effizientesten zu sein. Doch dieser Indikator allein kann leicht zu falschen Managemententscheidungen führen.
Während der Präsentation verglich Bethard zwei Kühe.
Die erste gibt weniger Milch, erreicht jedoch ein höheres Milch-Futter-Verhältnis.
Die zweite verbraucht mehr Futter, produziert deutlich mehr Milch und erscheint nach dem herkömmlichen Index weniger effizient.
Trotz der geringeren Futterverwertung erzielt die zweite Kuh einen höheren Gewinn über den Futterkosten (IOFC) und schafft somit einen höheren Mehrwert für den Betrieb.
Die Erkenntnis ist einfach.
Das Ziel sollte nicht die Maximierung der Futterverwertung sein.
Das Ziel sollte die Maximierung der Rentabilität sein.


Anstatt sich ausschließlich auf die Milchleistung oder die Futterverwertung zu konzentrieren, bewertet die High Plains Ponderosa Dairy ihre Kühe anhand des Kennwerts „Income Over Feed Cost“ (IOFC).
Dieser KPI misst den erzielten Ertrag nach Abzug der Futterkosten.
Da sich sowohl der Milchpreis als auch die Futterkosten ständig ändern, stellte Bethard zudem eine Methodik vor, die darauf basiert, Markteffekte von der Leistung der Kühe zu trennen, sodass Betriebsleiter nachvollziehen können, ob Veränderungen der Rentabilität auf wirtschaftliche Faktoren oder auf die biologische Leistung zurückzuführen sind.
Dadurch ergibt sich ein wesentlich klareres Bild für Managemententscheidungen.

Eine der eindringlichsten Botschaften während der gesamten Veranstaltung war bemerkenswert klar: Entscheidungen sollten auf Daten basieren, nicht auf Annahmen.
Bei High Plains Ponderosa Dairy dienen die Daten als Grundlage für die monatliche Berechnung des IOFC, die Analyse der Trockenmasseaufnahme, Entscheidungen über die Ausmusterung sowie die Überwachung der Herdenleistung. Produktionskennzahlen spielen weiterhin eine wichtige Rolle.
Sie werden jedoch in einem breiteren wirtschaftlichen Rahmen interpretiert und nicht als Ziele an sich betrachtet.
Präzisionsfütterung beschränkt sich heutzutage nicht mehr nur auf die Rationszusammenstellung.
Sie vereint Wiegesysteme, NIR-Analyse, Softwareplattformen, Futteraufnahmeüberwachung und wirtschaftliche Kennzahlen in einem integrierten Entscheidungsprozess.
Nur durch die Vernetzung dieser Datenquellen können landwirtschaftliche Betriebe ihre Futterkosten kontinuierlich optimieren und gleichzeitig Produktivität und Rentabilität aufrechterhalten.
Diese Entwicklung wandelt das Fütterungsmanagement von einer rein ernährungswissenschaftlichen Tätigkeit zu einem strategischen Geschäftsprozess.
Über die Fütterung hinaus gab Bethard zudem Einblicke in den Aufbau eines der größten Milchviehbetriebe in den Vereinigten Staaten.
Zu den Themen gehörten die Gestaltung der Anlagen, der Kuhfluss, die Erweiterungsplanung, das Personalmanagement, die Finanzsteuerung sowie die Bedeutung des Aufbaus skalierbarer Systeme vor der Vergrößerung des Herdenbestands.
Der gemeinsame Nenner war klar:
Erfolgreiche Milchviehbetriebe basieren auf Prozessen, Daten und langfristiger Planung.
Die Veranstaltung markierte den Start von „Feeding Forward“, der jährlichen Initiative von Dinamica Generale, die darauf abzielt, Fachleuten aus der Milchwirtschaft internationales Fachwissen näherzubringen.
Bei jeder Ausgabe werden führende Landwirte, Berater, Forscher und Experten der Industrie zu Gast sein, um praktische Erfahrungen, innovative Managementstrategien und die neuesten Entwicklungen im Bereich der Präzisionsfütterung auszutauschen.
Denn die Weiterentwicklung der Milchviehhaltung erfordert mehr als nur Technologie. Sie erfordert den Wissensaustausch zwischen den Menschen, die diese Technologie täglich anwenden.

